KI und ich – ein Selbstversuch

KI ist wie ein superintelligenter Hund: 

beeindruckend, lernfähig, manchmal rührend hilfreich – aber man weiß nie, ob er gleich ein Kunststück zeigt oder den nächstbesten Hasen jagt.

 

Manchmal frage ich mich, ob ich überhaupt weiß, was ich mit diesem Tier anfangen soll. Ich bin ja keiner von denen, die sich von einer KI einen Avatar kreieren lassen oder den perfekten Kalorienwert fürs Frühstück ausrechnen. 

Ich nutze ChatGPT vor allem zum Nachdenken. Über die Welt. Über Vernunft. Über das, was wir mit all diesem digitalen Zauber eigentlich anfangen könnten, wenn wir wollten.

Natürlich hilft sie mir: bei der Recherche zu meinem Buch, beim Feilen an Blogtexten wie diesem. Aber ganz ehrlich – wenn ich mir anschaue, wofür KI heute hauptsächlich genutzt wird, komme ich ins Grübeln.

Da geht es um schneller, effizienter, billiger. Um Clicks, Umsatz und Aufmerksamkeit. Um KI-generierte Bilder für Instagram-Posts, Auto-Content und Chatbots, die Kundenservice simulieren, ohne je Verantwortung zu übernehmen.

Ich will das gar nicht verdammen. Es ist verständlich. Bequem. Und manchmal auch faszinierend gut. Aber ich frage mich: Was wäre, wenn wir diese Werkzeuge nicht nur fürs Geschäft, die nächste Optimierungswelle unserer Selbst benutzen würden, sondern um über uns hinauszuwachsen? Um den Rahmen zu sprengen, in dem wir seit Jahrhunderten denken?

Stellen wir uns mal vor, wir würden KI nicht hauptsächlich nutzen, um Texte zu schreiben oder Bildchen zu generieren, sondern echte Alternativen aufzeigen: für unser Wirtschaftssystem, unsere Landwirtschaft, unsere Art zu wohnen, zu arbeiten, zu leben. Nicht nur Theorien, sondern Szenarien. Prognosen. Simulierbare Wege in die Zukunft. Maßgeschneidert auf Regionen, Gesellschaften, sogar Individuen.

Stellen wir uns vor, wir trainieren sie umfassend mit realen und weltweit repräsentativen Daten – nicht nur über den CO₂-Ausstoß, sondern über Gesundheit, Bildung, psychische Belastung, Artenvielfalt. Und dann fragen wir sie: Was wäre wirklich vernünftig? Für mich? Für uns? Für den Planeten?

Natürlich schwingt da sofort das Unbehagen mit. Will ich das überhaupt? Möchte ich eine KI, die mehr über meine Schwächen weiß, als ich selbst? Die mir – in aller Rationalität – sagt, dass mein Lieblingsverhalten irrational ist, mein Steak unvernünftig, mein Kaufverhalten destruktiv und meine Bildschirmzeit absurd ist?
Und doch: Vielleicht ist genau das der Punkt.

Vielleicht brauchen wir nicht noch mehr digitale Spiegel, in denen wir anderen gefallen wollen, sondern Instrumente, die uns helfen, über uns hinauszuwachsen.

Nicht im Sinne von „noch schneller, noch klüger, noch fitter“, sondern vernünftiger.

Denn was ist, wenn die wahre Stärke der KI darin liegen würde, dass sie uns hilft, unsere Aufmerksamkeit zu verschieben? Weg von der ständigen Selbstoptimierung, hin zur Gemeinschaft. Zu den echten Problemen der Welt. Zur Frage, wie wir gemeinsam mit den gewaltigen Herausforderungen der Gegenwart umgehen – dem Klimawandel, der globalen Ungleichheit, dem Artensterben, der sozialen Spaltung.

Vielleicht ist das die eigentliche Aufgabe der KI: uns zu zeigen, wie wenig vernünftig wir oft handeln und gleichzeitig zu zeigen, dass es anders gehen könnte.

Und bis dahin? Nutze ich meine KI weiterhin zur Formulierungshilfe, als Werkzeug meine Gedanken zu sortieren. Wenn ich die richtigen Fragen stelle, gibt sie mir neue Denkanstöße und manchmal auch neue Einsichten.

 

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Fragen sind die Knöpfe der Maschine KI

Ich habe inzwischen gelernt: KI ist nur so klug wie die Fragen, die ich ihr stelle.

Sie denkt nicht für mich – sie denkt mit mir. Aber eben nur dann, wenn ich die richtigen Knöpfe drücke.

Wenn ich sie frage, wie ich in drei Sätzen einen besonders emotionalen Post schreibe oder wie ich meine Bio auf Instagram „optimieren“ kann, dann liefert sie auch genau das:

Glanz. Verpackung. Buzz.

Aber wenn ich sie frage, wie man eine gerechtere Wirtschaftsordnung denken könnte, wie man kulturelle Missverständnisse systemisch entschärfen kann oder was passieren müsste, damit wir als Menschheit nicht ständig an denselben Abgründen stehen – dann fängt sie plötzlich an, wirklich zu arbeiten. Und wenn ich dann tiefer bohre und die KI dazu bringe, in verschiedene Richtungen zu recherchieren, dann bekomme ich klügere Antworten und ich gewinne neue Einsichten.

Ich denke, das war schon immer so.
Die richtigen Fragen zu stellen und die Antworten auf eben diese zu finden, das hat uns als Menschheit schon seit Jahrtausenden weiter gebracht.

Die Frage „Wie viel kann ich noch aus etwas herausholen?“ führt zu ganz anderen Entscheidungen als „Wie kann ich zu etwas beitragen?“
Und wenn ich KI frage, wie ich möglichst effizient Aufmerksamkeit generieren kann, bekomme ich auch genau das: 

Effizienz. Keine Weisheit. Kein Maß. Keine Demut.

Also ist es doch ganz einfach:

Wenn ich KI wie einen superintelligenten Hund behandle, der mir Kunststücke vorführen soll, dann tut er das. Wenn ich ihm ein unklares oder falsches Kommando gebe, dann jagt er vielleicht den nächstbesten Hasen.
Aber wenn ich innehalte, neugierig werde, tiefer frage – dann zeigt mir dieser Hund manchmal Wege, die ich allein nicht gefunden hätte.

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