Warum wir nicht mehr rebellieren

Es ist merkwürdig still. Zu still.

Die Welt brennt, doch die Straßen bleiben leer.

Wo sind die großen Bewegungen, die das System ins Wanken bringen könnten?

Wo sind die Hunderttausende, die wie damals in der DDR den Mut hatten, mit ihrer Stimme ein System zum Einsturz zu bringen?

Stattdessen: kleine Demos hier, ein paar wütende Posts da – und dann wieder Funkstille.

Es wirkt, als sei die Menschheit müde.

Das System kennt deine Schwäche

Vielleicht ist es kein Zufall.

Denn für jeden, der unruhig wird, hält das System das passende Beruhigungsmittel bereit:

  • Neue Computerspiele, Netflix, TikTok – so viel Ablenkung, dass kein Platz für Wut bleibt.

  • Der Aufruf, mehr zu arbeiten, um unseren Wohlstand zu halten.

  • Sündenböcke: Bürgergeldempfänger, Flüchtlinge, die Grünen. Hauptsache, man kann nach unten treten.

  • Einschüchterung: Klimaaktivisten, die man als „kriminell“ diffamiert und verhaftet, wenn sie sich auf Straßen setzen.

  • Rohe Gewalt, wenn alles andere nicht hilft: In Russland verschwinden Kritiker im Gefängnis, in Iran werden Demonstranten erschossen, in den USA wird Militär gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt.

 

Falsche Angriffsziele sind ein altbekanntes Werkzeug unterdrückerischer Systeme.

Ein bewährtes Mittel des Systems sind falsche Angriffsziele, die wie Täuschkörper aus dem System ausgeworfen werden: Anstatt die eigentlichen Schuldigen an den Missständen dieser Welt klar zu benennen – Konzerne, Lobbyisten, korrupte Politiker, Finanzeliten – werden falsche Ziele präsentiert, auf die man sich stürzen soll.

So hetzt man Arbeiter gegen Bürgergeldempfänger, SUV-Fahrer gegen Radfahrer, Einheimische gegen Geflüchtete. Während wir uns in diesen Stellvertreterkämpfen zerreiben, bleiben die wahren Profiteure im Hintergrund – unsichtbar, unantastbar.

Es ist bequem, einen einfachen Sündenbock zu haben. Aber solange wir unsere Energie gegen falsche Angriffsziele verschwenden, ändert sich nichts am Fundament des Systems.

Entscheidend für das System ist nur: Der Druck darf niemals so groß werden, dass er eben dieses sprengt.

Und das System heißt Kolonialismus und Kapitalismus.

Brot und Spiele – heute wie damals

Währenddessen läuft das Ablenkungsprogramm.

Gamescom, Champions League, Netflix, Biennale – unser moderner Zirkus.

Und während wir zuschauen,

  • bereitet Trump das Ende der Demokratie in den USA vor

  • Genozid in Gaza,

  • wächst die Spaltung in Deutschland,

  • trauern tausende Mütter in Russland leise vor sich hin

Greta Thunberg wurde systematisch zur Hassfigur gemacht.

Robert Habeck wird durch Shitstorms und Hetze aus der aktiven Politik gedrängt.

Mutige Journalisten wie Daphne Caruana Galizia in Malta oder Anna Politkowskaja in Russland bezahlen mit dem Leben. Journalisten in Gaza werden von der Bevölkerung gemieden weil diese potentielle Angriffsziele sind.

Weltweit sind 2023 nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Global Witness mindestens 196 Umweltschützer getötet worden.

Die Welt versinkt im Feuer, und wir scrollen durch Instagram.

Zerfasern statt bündeln

Wer helfen will, kümmert sich oft um ein kleines persönliches Projekt.

Straßenhunde retten. Müll am Strand sammeln. Steuergerechtigkeit fordern.

Alles ehrenwert. Aber letztlich sinnlos.

Denn während du den einen Hund rettest, werden in Zuchtfabriken fünf neue geworfen und gleichzeitig millionen Tiere nur für unsere Nahrung gefoltert.

Während du eine Plastiktüte am Strand aufhebst, rollt die nächste Welle aus Plastik an.

Die großen Player lachen sich darüber kaputt.

Denn diese Kleinstprojekte zerfasern unsere Kräfte. Sie halten uns beschäftigt – aber harmlos.

Wohnzimmer der Apathie

Vielleicht sind wir auch einfach zu satt. Zu bequem.

Es gibt Essen. Konsum. Urlaub. Noch funktioniert alles.

Und so sitzen wir in unseren behaglichen Wohnzimmern der Apathie.

Doch wie lange noch?

  • Plastik im Essen – jede Woche eine Kreditkarte.

  • 35 Grad im Schatten – kein Sommertraum, sondern Dauerzustand.

  • Feuer im Kamin – ja. Feuer in unseren Wäldern – nein.

  • Menschen ertrinken im Mittelmeer, während andere Aperol vor Sonnenuntergängen trinken.

Willst du wirklich, dass das so bleibt?

Aufwachen oder untergehen

Es gab schon Zeiten, in denen klar war: So geht es nicht weiter.

Dann kam die Masse. Die Revolution.

Heute stehen wir wieder an dieser Schwelle, auch wenn viele noch in Apathie verharren und es nicht wahrhaben wollen.

Die Frage ist:

Schaffen wir es, unser Wissen, unser Können und unseren Mut zusammenzubringen – weltweit – und ein vernünftiges Miteinander aufzubauen?

Oder lassen wir weiterhin zu, dass ein paar Egomanen und Idioten ihre Spiele mit uns treiben – während wir abgelenkt, eingelullt oder eingeschüchtert zuschauen?

Es ist Zeit aufzuwachen.

Vielleicht zum letzten Mal.

 

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